Kategorie: Impuls
Spiritueller Impuls
Ein Fasten wie ich es liebe
Fasten ist ohne Frage "in" und wird, da der gemeine Deutsche meistens mehr oder weniger übergewichtig ist, als notwendiges Übel angesehen, manchmal auch mit mannigfaltigen Gesundheitsversprechungen garniert. Warum denn, so fragte ich die Leiterin eines Bildungshauses, das Fastenwochen anbot, die Verpflegungskosten genauso hoch seien wie bei den Kursen, bei denen man sich, wofür die Einrichtung bekannt war, gut und ausführlich den Magen vollschlagen könnte? Ganz einfach: Die Gemüsesüppchen, die auf den Fastenwochen gereicht werden, kosten genauso viel wie ein üppiges Menü, weil man ja natürlich nur das beste Biogemüse versuppt (auch wenn es nur für einige Minuten in kochendes Wasser gehalten wird).
Die Bibel kennt kein Gesundheitsfasten, ebenso wenig wie sie nur ansatzweise darum weiß, dass einige wenige auf der Welt unter Übergewicht leiden und zur Vermeidung dessen und der daraus resultierenden gesundheitlichen Folgen viel Geld ausgeben und andere schlicht und ergreifend kein Geld haben, um sich das Nötigste zum Essen zu kaufen, mal abgesehen von den bei Amos erwähnten fetten Baschankühen, mit denen er unfreundlicher Weise die wohlgenährten Jerusalemer Damen bezeichnet.
Fasten ist in der Bibel immer teilen, nicht mehr und nicht weniger, Verzicht für andere, Rückkehr zu einem teilenden und damit gottgefälligen Lebensstil, Zeichen des sich neu auf Gott ausrichten.
"Das ist ein Fasten, wie ich es liebe: die Fesseln des Unrechts zu lösen, die Stricke des Jochs zu entfernen, die Versklavten freizulassen, jedes Joch zu zerbrechen..." (Jes 58,6). Mehr nicht, aber auch nicht weniger.
Clemens Kreiss, Pfarrer